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Meine Therapien und Hilfsmittel

1 Medikamentöse Therapie
2 Symptomatische Therapie
3 Hilfsmittel


1 Medikamentöse Therapie

Die ALS ist eine chronisch fortschreitende neurologische Krankheit, die trotz intensiver Forschung bisher noch nicht heilbar ist. Die ALS ist dennoch eine behandelbare Krankheit. Nach der Diagnosestellung ist der sofortige Beginn einer medikamentösen Therapie sinnvoll. Diese zielt hauptsächlich auf die Verlangsamung der Krankheit. Inzwischen werden verschiedene Medikamente zur Behandlung der ALS eingesetzt. Ein deutlich lebensverlängernder Effekt konnte bislang nur für Rilutek/Riluzol nachgewiesen werden. Einige Präparate zeigen in Tierversuchen eine positive Wirkung und werden gegenwärtig in klinischen Studien getestet. Sie sind zum Teil noch nicht abgeschlossen, so dass zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage zur Wirksamkeit beim Menschen getroffen werden kann.

Rilutek/Riluzol

Der menschliche Körper produziert normalerweise eine bestimmte Menge an Glutamat. Dabei handelt es sich um eine Substanz, die die Erregung von Motoneuron (motorische Nervenzelle) zu Motoneuron weiterleitet. Mit Hilfe solcher Neurotransmitter können vom Gehirn ausgesandte Informationen bis zum Muskel geleitet werden. Eine Theorie über die Entstehung der ALS besagt, dass das Nervensystem eines ALS-Patienten einer zu großen Menge an Glutamat ausgesetzt ist. Bei fortschreitender Erkrankung konnte eine Akkumulation von Glutamat beobachtet werden. Man geht davon aus, dass zu viel Glutamat zu einem Ausbrennen der Nervenzellen führt. Infolge dessen können diese die Befehle des Gehirns nicht mehr zu den Muskeln transportier

Der aktive Wirkstoff im Rilutek ist Riluzol. Riluzol ist ein Glutamat-Hemmstoff, der erstmals in einer Studie 1994 eine signifikant lebensverlängernde Wirkung bei ALS Patienten gezeigt hat. Vorangegangene Studien berichteten von einer um durchschnittlich 3 Monate verlängerten Lebenserwartung. In mehreren nachfolgenden Studien konnte ein noch deutlicheres Ergebnis erzielt werden (bis zur Verdoppelung der Lebenserwartung). Obwohl selbst die Forscher die Wirkung des Medikaments Rilutek nicht ganz verstehen, scheint die Erklärung, dass es die Nervenzellen vor einer Übermenge an Glutamat schützt, plausibel. Rilutek bremst jedoch lediglich die individuelle Krankheitsprogredienz, d.h. die Patienten werden trotzdem eine Verschlechterung bemerken. Allerdings wird die Geschwindigkeit der Verschlechterung, die bei jedem Patienten unterschiedlich ist, vermindert. Rilutek kann ALS nicht heilen und auch bereits verlorene Funktionen nicht wiederherstellen.

Die empfohlene Dosierung ist 50 mg alle 12 Stunden. Rilutek sollte möglichst immer zu den gleichen Zeiten eingenommen werden (z.B. morgens um 8.00 h und abends um 8.00 h), da sich die positive Wirkung nur bei einem konstanten Blutspiegel entfalten kann, der nur durch eine regelmäßige tägliche Einnahme gewährleistet wird. In der Regel wird das Medikament gut vertragen. Mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit, Schwächegefühl, Mattigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Hautausschläge. In seltenen Fällen wurde auch eine vorübergehende Erhöhung der Leberwerte beobachtet. Daher wird empfohlen, von Zeit zu Zeit das Blutbild und die Leberenzyme untersuchen zu lassen. Rilutek sollte bei Raumtemperatur gelagert und vor Sonneneinstrahlung geschützt werden. Zudem ist es nicht empfehlenswert, Nikotin und Alkohol zu konsumieren. Rauchen kann die Rilutek-Konzentration im Blut verringern. Alkohol belastet die Leber zusätzlich, wodurch sich das Risiko von Leberfunktionsstörungen erhöht.

Vitamin E

Vitamin E gehört neben Vitamin A und Vitamin C zu den so genannten Antioxidantien oder Radikalfängern und wirkt indirekt neuroprotektiv (nervschützend). Als Radikalfänger werden Substanzen bezeichnet, die im Körper anfallende Abbauprodukte und Schadstoffe wie freie Radikale abtransportieren und unschädlich machen. Im Tierversuch konnte Vitamin E ein positiver Einfluss in Bezug auf das Fortschreiten der ALS nachgewiesen werden, jedoch keine Auswirkung auf eine mögliche höhere Lebenserwartung. Dieselbe Wirkung konnte von Dr. Hager, einem Arzt, der selbst seit vielen Jahren an ALS erkrankt ist, nach Anwendung auch am Menschen beobachtet werden. Eine in Ulm durchgeführte placebokontrollierte Studie mit hoch dosiertem Vitamin E (5000 IE/d) war jedoch negativ. Vitamin E ist sowohl in Form von Gelkapseln als auch in Tropfenform erhältlich. In Zusammenarbeit mit Dr. Hager wurde speziell für ALS das Vitamin E Produkt Vitagutt 1000 der Firma Schwarzhaupt ausgewählt. Eine Packung enthält 60 Kapseln und kostet ca. 26 Euro. Es hat keine Nebenwirkungen und ist dazu noch gut für Haare, Haut, Nägel und Gelenke! Die Kapsel sollten immer in Verbindung mit Öl oder Fett eingenommen werden, da Vitamin E fettlöslich ist.

Amitriptylin

Eine starke Ansammlung von Speichel in Mund und Rachen ist außerordentlich lästig und quälend. Das größte Problem dabei ist, den oftmals zähen Speichel zu schlucken. Eine Reihe von Medikamenten können zur Reduzierung des Speichelflusses eingesetzt werden. Amitriptylin ist ein Anti-Depressivum und führt als eine der häufigsten Nebenwirkungen zu Mundtrockenheit. Die Unfähigkeit zu schlucken kann den Kranken an den Rand eines Erstickungsanfalls bringen. In besonders schweren Fällen muss daher ein Absauggerät eingesetzt werden, um dem Patienten Erleichterung zu verschaffen. Ein weiteres Problem, das den Patienten und seine Umgebung sehr irritieren kann, stellt das mitunter bei ALS-Patienten auftretende unkontrollierte Lachen und/oder Weinen dar. Man bezeichnet es als Pseudobulbär-Affekt. Es ist wichtig zu wissen, dass eine solche unkontrollierte emotionale Labilität kein Symptom einer Depression oder geistigen Verwirrung darstellt. Auch in dieser für den Patienten besonders frustrierenden Situation können verschiedene Medikamente wie zum Beispiel auch das Amitriptylin helfen.

Celebrex

Während des Untergangs der Motoneurone finden im zentralen Nervensystem Reaktionen statt, die denen einer Entzündung ähneln. Unter anderem kommt es auch zu einer Ansammlung und Aktivierung von „Entzündungszellen“. Diese Entzündungszeichen sind jedoch kein Hinweis auf eine Infektion oder einen Autoimmunprozess, sondern vermutlich nur Teil des komplizierten Krankheitsgeschehens bei der ALS. Mittels verschiedener Substanzen wird jedoch versucht, diese entzündlichen Prozesse zu beeinflussen. Celebrex ist ein Medikament, das normalerweise bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt wird. Kürzlich wurde jedoch bekannt, dass es leider keine positiven Ergebnisse in Bezug auf den Krankheitsverlauf bei ALS-Patienten gibt. Darüber hinaus wurde im Jahr 2005 bekannt, dass durch die regelmäßige Einnahme von Celebrex das Herzinfarktrisiko nachweislich ansteigt.

Mein Einnahmeplan

Ein sofortiger Beginn der medikamentösen Therapie ist vorteilhaft und kann sich durchaus positiv auf den weiteren Verlauf der ALS auswirken. Bereits eine Woche nach meiner Diagnose habe ich die Behandlung mit den oben beschriebenen Medikamenten begonnen. Ich vertrage alle Medikamente gut und habe keinerlei Nebenwirkungen. In Absprache mit meinem früheren Arzt habe ich mich auch für die weitere Einnahme von Celebrex entschieden, da ich nicht zur Herzinfarkt-Risikogruppe zähle. Die nachfolgende Tabelle zeigt meinen täglichen Einnahmeplan. Die Zeiten ergeben sich dabei lediglich aus meinem individuellen Tagesablauf. Nur Vitamin E sollte genau zu den angegebenen Zeiten eingenommen werden, weil die Aufnahmefähigkeit des Körpers dann höher ist.

MEDIKAMENTE

Name

Menge

morgens

mittags

abends

Rilutek

2

11. 00

 

22. 00

Celebrex 100

2

11. 00

 

22. 00

Vitamin E Vitagutt 1000

5

11. 00 (3)

16. 00 (2)

 

Amitriptylin 25

1

11. 00

   

Amitriptylin 50

1

   

22. 00

 

2 Symptomatische Therapie

Im weiteren Krankheitsverlauf erlangt die symptomatische Therapie eine zunehmende Bedeutung. Ihr primäres Ziel ist die Behandlung der ALS-bedingten Symptome, Beschwerden und Behinderungen zur Verbesserung der Lebensqualität. Sie umfasst neben der Physio- und der Ergotherapie auch eine logopädische Behandlung. Im weiteren Verlauf wird in der Regel auch eine Entscheidung über die Anlage einer Ernährungssonde sowie über eine druckunterstützte Maskenatmung oder tracheostomiegestützte Beatmung notwendig werden.

Physiotherapie

Die Ziele der Physiotherapie bzw. Krankengymnastik sind die Stabilisierung und Erhaltung der noch intakten Muskelfunktionen. Bei einer vorhandenen Restbeweglichkeit haben sich insbesondere isometrisches Muskeltraining und Übungen gegen einen leichten Widerstand bewährt, die neben dem Bewegungseffekt auch die Muskeldurchblutung fördern. Sie müssen jedoch im Krankheitsverlauf immer wieder an die individuelle Situation des Patienten angepasst werden. Außerdem sind eine individuelle Bewegungstherapie, Dehnungsübungen, ein Koordinations- und Gleichgewichtstraining sowie die Behandlung einer vorhandenen Spastik sinnvoll. Die Physiotherapie kann sowohl Muskelkrämpfen vorbeugen als auch Muskel- und Sehnenverkürzungen durch die fortschreitende Lähmung vermeiden helfen und spastisch bedingte Bewegungseinschränkungen verringern. Jedoch können die Erfolge nur klein sein oder sogar gänzlich fehlen. Der Funktionserhalt ist das primäre Ziel, ein Muskelzuwachs ist in der Regel nicht zu erwarten. Hingegen kann eine bestehende Spastik durch regelmäßige Therapie merklich verbessert werden.

Ergotherapie

Ergotherapie ist neben der Physiotherapie eine wirksame Behandlungsmöglichkeit bei Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose. Je früher mit der Therapie begonnen wird, desto größer ist der Behandlungseffekt. Ziel der ergotherapeutischen Behandlung ist die Verbesserung oder Kompensation der krankheitsbedingt eingeschränkten Funktionen und Fähigkeiten. Bei zunehmender Behinderung soll sie vor allem helfen, individuelle Lösungen für den Betroffenen zu finden. Das Training motorischer Fähigkeiten, insbesondere der Feinmotorik, das ADL-Training (activities of daily living training) sowie die Hilfsmittelberatung ist Inhalt der ergotherapeutischen Behandlung. Ergotherapeuten sollten daher auch über eine hohe Kompetenz in der Hilfsmittelberatung verfügen. Wie viele Hilfen nötig sind und vor allem, welche akzeptiert werden, um die Selbständigkeit so lange wie möglich zu erhalten oder den Alltag zu erleichtern, hängt vom Krankheitsverlauf und vom Patienten selbst ab. Die optimale Ausstattung mit den richtigen Hilfsmitteln kann den persönlichen Aktionsradius erhöhen und somit auch die Autonomie und Lebensqualität der ALS Patienten wesentlich verbessern.

Logopädie

Mit Beginn einer Sprech- und Schluckstörung ist eine logopädische Behandlung sinnvoll. Ziel ist eine möglichst lange Erhaltung der Sprech-, Kau- und Schluckfähigkeit. Beim Auftreten von Sprechstörungen soll mit fazialen Übungen sowie mit Atem- und Sprechübungen die Nutzung der Restfunktionen des Sprechapparates gesichert werden. Im fortgeschrittenen Stadium ist zudem die Versorgung mit Kommunikationshilfen erforderlich. Kommt es wiederholt zum Verschlucken, treten Hustenattacken auf oder ist das Essen mehr Last als Lust, ist die Schluckmechanik gestört. Bei Beginn einer Kau- und Schluckstörung ist daher eine regelmäßige logopädische Behandlung mit einem funktionellen Schlucktraining notwendig. Dabei erlernen die Patienten neben dem Umgang mit Schluckbeschwerden auch wichtige Kompensationsstrategien, wie die Verkleinerung der Schluckeinheiten oder absichtliches Husten nach dem Schlucken. Die Schlucktechnik kann durch Triggerverfahren, eine bestimmte Körper- und Kopfhaltung während des Schluckaktes, deutlich verbessert werden. Diese und andere wichtige Verhaltensweisen beim Essen können somit dem Verschlucken vorbeugen. Bei einer Zunahme der Schluckstörung mit Gewichtsverlust, häufigen Aspirationen und Infekten der oberen Atemwege sowie einer Verlängerung der Mahlzeiten ist die Entscheidung über die Anlage einer Ernährungssonde erforderlich.

Perkutane Endoskopische Gastrostomie = PEG-Sonde

Bei zunehmenden Schluckproblemen kann im Verlauf der Erkrankung die Anlage einer PEG-Sonde notwendig werden, insbesondere dann, wenn der tägliche Energie- und Flüssigkeitsbedarf über den Mund nicht mehr gedeckt werden kann. Dies führt zu einer kontinuierlichen Gewichtsabnahme und zu einem durch die Unterernährung bedingten, zusätzlichen Kraftverlust. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass das Körpergewicht mit der Lebenserwartung eng korreliert, d.h. dass Patienten mit stabilem Körpergewicht eine bessere Lebensqualität und eine höhere Lebenserwartung haben. Die Anlage einer PEG-Sonde kann den Allgemeinzustand des Patienten verbessern und somit indirekt lebensverlängernd wirken. Sie erleichtert die Nahrungsaufnahme für Patienten und Pflegepersonen und stellt eine ausreichende Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr sicher. Bei der Anlage einer PEG-Sonde wird ein Fiberendoskop über Mund und Speiseröhre bis in den Magen vorgeschoben. Eine Endplatte wird mit dem Endoskop bis in den Magen gebracht. Die Sonde ist ein einfacher Plastikschlauch. Sie wird - in lokaler Anästhesie - mittels eines kleinen Schnittes durch die Bauchdecke und Magenwand bis in den Magen geführt und dann an der Endplatte verankert. Von außen ist nur ein ca. 30 cm langes Stück des Schlauches zu sehen, das an der Austrittsstelle am Bauch mit einem Pflaster befestigt wird. Unter der Kleidung ist die Sonde nicht sichtbar. Auch bedeutet eine PEG-Sonde nicht, dass nicht mehr "normal" gegessen werden darf. Im Gegenteil, sie erlaubt soviel und solange zu essen, wie man gerade Lust hat. Vor allem ist dadurch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr gewährleistet.

Pulmonologische Abklärung

Eine pulmonologische Abklärung wird dann nötig, wenn die Atemmuskulatur von der ALS betroffen ist. Eine schwache Atemmuskulatur macht sich häufig zuerst nachts bemerkbar. Durch die unzureichende Ventilation (Belüftung) der Lungen transportiert das Blut zuwenig Sauerstoff. Das Gehirn reagiert auf solche Sauerstoffschwankungen sehr empfindlich. Diese nachts eingegangene "Sauerstoffschuld" führt zu rascher Ermüdbarkeit, morgendlichen Kopfschmerzen und fehlender Erholung während des Schlafes. Manchmal fällt auch eine Kurzatmigkeit auf. Mittels eines Lungenfunktionstests kann das Atemvolumen und die Lungenkapazität festgestellt werden. Wenn durch einen Lungenfacharzt eine Beeinträchtigung der Atmung festgestellt wird, ist unter Umständen eine BIPAP-Beatmung (bilevel positive airway pressure) indiziert. Diese druckunterstützte Maskenatmung unterstützt den eigenen Atemzug und sorgt somit für eine ausreichende Belüftung der Lungen. Es ist jedoch keine invasive Maßnahme! Die Maskenbeatmung dient lediglich der Verbesserung der Lebensqualität und hat möglicherweise indirekt lebensverlängernde Wirkung. Nimmt die Schwäche der Atemmuskulatur zu, kann es zu einer Ateminsuffizienz mit akuter Atemnot, Erstickungsgefahr und einem möglichen Sauerstoffmangel im Gehirn kommen. In diesem Fall besteht natürlich immer die prinzipielle Möglichkeit eines Luftröhrenschnittes (Tracheostomie) in Verbindung mit einer maschinellen Beatmung (tracheostomiegestützte Beatmung). Diese lebenszeitverlängernde Entscheidung ist jedoch von weit reichender medizinischer und psychosozialer Konsequenz für den Betroffenen. Die Durchführung einer tracheostomiegestützten Beatmung ist eine invasive Maßnahme und kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Daher wird sie derzeit nur bei einer sehr geringen Zahl der ALS-Patienten durchgeführt. Die Begrenzung technisch und medizinisch möglicher therapeutischer Maßnahmen ist der erklärte Wille vieler ALS-Patienten. Dieser sollte im Rahmen einer Patientenverfügung schriftlich fixiert werden.

3 Hilfsmittel

Eine optimale Hilfsmittelausstattung ist für die möglichst lange Erhaltung der Autonomie und Selbständigkeit des Patienten sowie für die Sicherung seiner Lebensqualität eine unverzichtbare Voraussetzung. Es gibt jedoch keine Standardausstattung! Die Hilfsmittel müssen im Verlauf der Erkrankung den individuellen Bedürfnissen des Patienten angepasst werden. Dies setzt allerdings ein frühes Erkennen von Problemen und eine individuelle Beratung voraus. Die Suche nach möglichen Lösungen und die Information über geeignete Hilfsmittel bleibt jedoch häufig Aufgabe der Therapeuten und des Patienten selbst. Insbesondere Ergotherapeuten sollten daher auch über eine hohe Kompetenz in der Hilfsmittelberatung verfügen. Einige Probleme im Alltag lassen sich mit handelsüblichen Hilfsmitteln nicht lösen. Vieles ist dem handwerklichen Geschick und Einfallsreichtum der Betroffenen, Angehörigen und Therapeuten überlassen. Die optimale Ausstattung mit den richtigen Hilfsmitteln kann den persönlichen Aktionsradius erhöhen und somit auch die Autonomie und Lebensqualität der ALS-Patienten wesentlich verbessern. Dennoch fällt es vielen Betroffenen zunächst schwer Hilfsmittel anzunehmen. Was dem Therapeuten optimal erscheint, muss es nicht unbedingt für den Patienten sein. Für ihn sind die Hilfen sichtbare Zeichen seiner Erkrankung, die er - wenn möglich - nicht in der Öffentlichkeit zeigen möchte. Jedes Hilfsmittel muss zudem individuell erprobt werden. Die im Folgenden genannten Hilfsmittel stellen natürlich nur eine spezifische Auswahl dar. Die Kostenübernahme der technischen Hilfen erfolgt größten Teils über die Krankenkasse bzw. die Pflegeversicherung. Eine ärztliche Verordnung ist in der Regel erforderlich.

Gehwagen/Rollator

Beim Auftreten massiver Gangunsicherheiten verbunden mit Gleichgewichtsstörungen, Koordinationsproblemen und häufigen Stürzen kann ein Rollator dem Betroffenen wieder mehr Sicherheit im Laufen geben. Voraussetzung ist natürlich, dass sowohl Arme als auch Hände noch kräftig genug sind, um den Oberkörper abzustützen. Rollatoren gibt es in verschiedenen Designs, Größen und Farben.

Rollstuhl

Nimmt die Schwäche der Beine und/oder der Arme bzw. Hände weiter zu, ist – gerade auch für lange Wege außerhalb der eigenen Wohnung – die Anschaffung eines Rollstuhls unvermeidlich. Dieser Schritt ist für viele Betroffene ein einschneidendes Erlebnis. Die eigene Erkrankung und Behinderung wird durch den Rollstuhl absolut real und auch nach außen hin sichtbar. Die Ablehnung ist daher zunächst oft sehr groß. Durch die Akzeptanz des Rollstuhls kann der Betroffene jedoch ein großes Stück Mobilität, Selbständigkeit und Freiheit zurückgewinnen. Er sollte aber unbedingt den individuellen Bedürfnissen und Wünschen des Betroffenen angepasst werden.

Rollfeets

Für Ausflüge und Mobilität auch ohne Auto eignet sich besonders ein Rollstuhl-Fahrrad. Das Rollfeets ist ein dreirädriges Fahrgerät, bestehend aus einem Fahrrad, an dessen Lenkstange in Fahrtrichtung blickend ein spezieller Rollstuhl befestigt ist - vergleichbar mit einer Art Rikscha. Natürlich kann der Rollstuhl problemlos vom Fahrrad abgekoppelt werden, so dass man relativ flexibel ist und überall hinkommt. Das Rollfeets hat in der Regel eine Gangschaltung mit sieben Gängen und könnte sogar durch einen kleinen Hilfsmotor unterstützt werden. Außerdem gibt es zahlreiches Zubehör wie spezielle Kopfstützen, Gurtsysteme, Körbe und Regenkleidung.

Computersteuerung

Wenn im Verlauf der ALS die üblichen Hilfsmittel Taststur und Maus zur Bedienung des Computers nicht mehr ausreichen, gibt es eine Reihe von Alternativen. In Abhängigkeit von der individuellen Beeinträchtigung des Betroffenen kann der Computer über eine Sondertastatur und Maus-Alternativen gesteuert werden. Ist der Einsatz der Hände nicht mehr möglich, ist die Steuerung per Mini-Joystick und Software-Tastatur sinnvoll. Der Mini-Joystick wird dabei häufig mit dem Kinn bewegt. Darüber hinaus ist aber auch eine Steuerung per Richtungssensoren über Saugen und Blasen, per Sprache, Laserpointer über leichte Kopf- und sogar Augenbewegung möglich.

Umfeldsteuerung

Eine Umfeldsteuerung ermöglicht die Steuerung sämtlicher elektrischer Schaltfunktionen durch einfache Tastenbedienung. Der programmierbare Infrarotsender kann alle üblichen Funktionen anderer Infrarotsender übernehmen und diese ersetzen. Die Umfeldsteuerung ist eine Universal-Fernbedienung. Alle Umfeldgeräte wie Fernseher, Radio, Video-, CD- und DVD-Player sowie Telefon, Licht, Fenster und Türen können dabei auf unterschiedlichste Art und Weise bedient werden - entweder per Sprache oder über Sensoren und ein synoptisches Bedienfeld. Auch eine Bedienung über den Computer oder die Rollstuhlsteuerung eines elektrischen Rollstuhles ist möglich.

Personenruf

Um im Bedarfsfall bzw. Notfall einen Helfer rufen zu können, ist ein Personenruf unabdingbar, insbesondere wenn der Betroffene in einem eigenen Bereich lebt oder nicht mehr sprechen kann. Mit dem Funkpersonenruf wird durch einfaches drücken des Buttons ein Funksignal an einen Pieper gesendet, der zunächst mehrfach und anschließend etwa alle zehn Sekunden ein Mal piept. Das entsprechende Funksignal kann auch auf einer Taste der Umfeldsteuerung hinterlegt werden. Wird diese Taste aktiviert, sendet der Funksender das Signal an den Pieper.

Blattwendegerät

Ein Blattwendegerät erleichtert oder ermöglicht das Vor - bzw. Rückwärtsblättern in Büchern und Zeitschriften. Das Umblättern erfolgt über einen mit einer Haftkleberolle versehenen Wendearm. Dieser kann über Sensoren, Schalter unterschiedlicher Art oder über eine Infrarotbedienung - wie die beschriebene Umfeldsteuerung - gesteuert werden. Durch leichtes Tasten oder Blasen werden die Blattwendungen ausgelöst. Es gibt verschiedene Halterungen, darunter eine Überkopfhalterung für bettlägerige Menschen.

Clap Tzu Massagetisch

Wenn der Weg zur Therapiepraxis für den Betroffenen zu aufwändig und anstrengend wird, muss die Therapie durch Hausbesuche der Therapeuten erfolgen. Daher kann es von Vorteil sein, eine eigene Therapieliege zu besitzen. Clap Tzu ist Europas führender Hersteller für Massagetische aus Holz. Alle Modelle verfügen über hochwertige, gewachste Oberflächen, sind höhenverstellbar und auf einfache Weise zusammenzulegen. Bei geringem Gewicht garantieren sie dennoch maximale Stabilität. Die Massagetische haben eine Länge von 192 cm bzw. 202 cm und eine Breite zwischen 65 und 85 cm. Mit vielseitigen Optionen kann der Tisch den individuellen Anforderungen anpasst werden. Neben Kopfstützen, Tischverlängerungen und Bezügen stehen auch Tischverbreiterungen, Armablagen und Zubehör wie Rollen, Keile oder Tragetaschen zur Verfügung.

Wohnraumanpassung

Um die Mobilität und die Selbständigkeit der ALS-Betroffenen weiter zu gewährleisten, ist in vielen Fällen im weiteren Krankheitsverlauf eine Wohnungsanpassung dringend nötig. Dabei handelt es sich vorrangig um die Gewährleistung und Sicherstellung eines barrierefreien Lebens in der eigenen Wohnung. Möbel müssen möglicherweise umgestellt und Schrank- und Schubladeninhalte umgeräumt werden. Zudem können aufwendige Umbaumaßnahmen notwendig werden. Eventuell müssen Türen verbreitert oder wichtige Anpassungen im Badezimmer vorgenommen werden. Beispielsweise können ein rollstuhlgeeignetes und höhenverstellbares Waschbecken, eine Toilettensitzerhöhung oder ein Umbau der Dusche für einen barrierefreien Einstieg hilfreich sein. Auch ein Bedewannen- oder Treppenlifter stellen mögliche Alternativen dar. Ausschlaggebend bei der Wohnungsanpassung und der Wahl weiterer Hilfsmittel ist jedoch immer die jeweilige Lebenssituation des Patienten. Für solche Umbaumaßnahmen werden von der Pflegekasse - auf Antrag und unabhängig von der Pflegestufe - Zuschüsse von bis zu 2.557,00 Euro je Maßnahme gewährt.