Therapeuten über Sandra

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Celine

Hallo Sandra,

ich kenne dich ja schon ziemlich lange, genauer gesagt seit der fünften Klasse. Obwohl, kennen ist vielleicht der falsche Ausdruck, ich wusste wer Du warst! Dich kannte so ziemlich jeder in der OS, später dann im Gymnasium und bei der Leichtathletik. Du wusstest in meinem Augen genau, was Du wolltest. Für mich warst Du immer super cool, fetzig angezogen, von vielen Menschen umgeben und völlig unerreichbar. Ich wollte Dich auch nicht erreichen, aber manchmal wollte ich nur ein bisschen so sein wie Du oder wie ich Dich gesehen habe: beliebt, von allen gekannt bzw. erkannt und einfach nur schick. Mir war auch nie bewusst, ob Du mich kanntest oder wahrgenommen hast. Ich lebte in einer anderen Welt, hatte andere Freunde, andere Hobbys, Aufgaben und Interessen. Ob ich Dich gemocht habe oder hätte weiß ich gar nicht, ich weiß nur noch, dass mir eigentlich nach dem Abi klar war, dass wir uns, wie so viele und wenn überhaupt, mal wieder auf einem Ehemaligentreffen wiedersehen würden. Doch vieles kam ja nun anders!

Etwa ein Jahr nachdem ich mich als Ergotherapeutin selbständig gemacht hatte, kam ein Anruf Deiner Mutter, sie bräuchte eine Logopädin und eine Ergotherapeutin, die zu ihrer Tochter Sandra nach Hause kämen. Ich fragte vorsichtig nach und war noch Stunden später ziemlich fertig. Natürlich kannte ich das Krankheitsbild ALS, aber bisher kannte ich meine Patienten nie von früher, sie waren nie in meinem Alter. Ich gab die Aufgabe erleichtert an meine Kollegin Katja ab. Vielleicht würde ich mal als Vertretung einspringen. Als Katja im Urlaub war, bin ich mit klopfendem Herzen und ziemlich bange zu Dir gefahren. Ich wusste nicht was mich erwartet, wie es Dir geht – aber ich wurde mit einem strahlenden Lächeln begrüßt. Ich fühlte mich wieder erkannt und wir begannen gleich zu erzählen. Ich fand meine Mitte schnell wieder, sah Dich als Mensch. Seit dem war ich häufig bei Dir und musste mein Bild von Dir total revidieren. Inzwischen weiß ich, dass ich Dich mag und vor allem kann ich Dich nur bewundern. Manche Sachen sind so geblieben – immer fetzig, oder wie Katja sagt stylisch, angezogen, eigenen Kopf und eigenen Geschmack – aber nicht mehr unnahbar oder unerreichbar. Trotz Deiner eigenen Sorgen, hast Du den Kopf frei für andere, bist nahbar geworden. Ich kann mit Dir Lachen, manchmal bin ich aber auch zu Tränen gerührt. Du bist für mich ein toller Mensch geworden – geworden deshalb, da ich jetzt weiß, dass ich früher nur wusste wer Du warst, aber nicht wie Du bist. Auch wenn wir uns nur selten sehen, Du bereicherst mein Leben und meine Lebenssicht.

Ich denke oft an Dich, fühle Dich gedrückt und liebe Grüße

Deine Celine