Freunde über Sandra

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Katja

Woher kenne ich Sandra? Gute Frage! Meine Mutter kennt Sandras Vater schon von der Schule und das ist schon sehr lange her. Unsere Mütter waren früher außerdem in einem Kegelclub und sie haben sich wöchentlich tagsüber zum Kegeln getroffen, um sich den neusten Tratsch aus Wolfsburg zu erzählen. Wir armen Kegelfrauenkinder waren natürlich immer dabei. ;o) Dabei habe ich Sandra vermutlich kennen gelernt. Jede Kegelfrau hat die anderen hin und wieder zum Kaffeeklatsch eingeladen und irgendwann waren wir bei Sandras Mutter zum ersten Mal eingeladen. Sandra hatte ein super schönes Zimmer, immer sauber und aufgeräumt, nicht wie bei mir! ;o) An diesem Tag, dass werde ich nie vergessen, hat mir Sandra auch ihre Zeichnungen gezeigt. Sandra konnte super zeichnen und das schon in jungen Jahren! Irgendwie haben wir uns dann aber ein paar Jahre aus den Augen verloren und wie Sandra und ich wieder zusammen gekommen sind, kann ich nicht genau sagen. Ich weiß nur, dass ich durch meinen damaligen Freundeskreis auch bei Sandras Abiball war und danach begann unsere Freundschaft. Sandra und mich verband damals eine große Leidenschaft, der Sport. Die Eröffnung des Fitness-Center SFC und der Trend des Aerobic begeisterten uns. Wir waren jeden Tag dort und haben an allen möglichen Kursen teilgenommen. Ja, wir waren total verrückt und haben immer alles gegeben. Wer konnte mehr Gewicht stemmen, mit Beinen oder Armen? Ach, das war schon eine schöne Zeit. ;o) Sandra hat sich dann mehr in den SFC eingebracht. Sie hat dort gearbeitet und auf die Kinder von Susana und Andreas, dem Geschäftsführer des SFC, aufgepasst. Die Partys im SFC waren super und wir haben fast jede mitgefeiert. Ich habe mich irgendwann aus persönlichen Gründen vom SFC distanziert, aber Sandra blieb dort, denn es war ihre Welt.

Natürlich haben Sandra und ich uns weiterhin getroffen und sind auch gemeinsam weg gegangen, aber jeder hatte seinen eigenen Freundeskreis und die waren doch ziemlich verschieden. Dennoch war der Kontakt immer noch intensiv. Wir waren Freundinnen und unternahmen viel zusammen. Auch wenn Sandra Probleme in ihren Beziehungen hatte oder sich grade verliebt hatte, haben wir geredet oder uns gemeinsam gefreut. 1993 bin ich in den Club Punta Arabi nach Ibiza zum Arbeiten gegangen. Sandra wollte mich besuchen und hat Urlaub im Punta Arabi gebucht. Leider bin ich früher als gedacht nach Hause zurückgekehrt, aber Sandra hatte fest gebucht! ;o) Zum Glück hat sie Karin und Mike überreden können, mit ihr dorthin zu fliegen. Aber es muss ihr gut gefallen haben, denn sie ist im Jahr darauf mit einigen Leuten aus dem SFC erneut in den Club nach Ibiza geflogen. Aber unsere Zeit auf Fehmarn kann uns keiner mehr nehmen. Sandra fuhr oft an den Wochenenden mit Philipp, einem Freund aus dem SFC, mit dem Wohnmobil nach Fehmarn. Ich bin auch mal mitgefahren, es war immer super schönes Wetter und wir hatten alle total viel Spaß. Surfer wo das Auge hinschaut, Partys und Übernachten im Auto auf den Parkplätzen. Quark mit Früchten essen und abends in die Dorfdisko gehen. Alles und alle waren so unkompliziert und wir hatten einfach nur Spaß und genossen die Sonne und den Wind am Strand. Das Bild wo wir alle drei, Philipp, Du und ich im Strandkorb liegen, werde ich nie vergessen. ;o) Die Bilder habe ich immer noch und ich schaue sie oft an!

Sandra, durch dein Studium in Gießen und meinen Aufenthalt im Ausland haben wir uns erneut aus den Augen verloren und hatten länger keinen Kontakt mehr. Bei einem Weihnachtstreffen 1997 in Wolfsburg haben wir uns wieder getroffen und uns ausgetauscht, wer was gerade macht usw. Ich lebte zu diesem Zeitpunkt in Würzburg und war nur zu Besuch in Wolfsburg. Also blieb unser Kontakt nur auf diesen Abend beschränkt und es gab kein weiters Treffen mit Dir. Jeder von uns lebte in einer anderen Stadt und wir hörten nur von anderen wie es so geht. Bis mir an einem Abend zu Weihnachten eine Freundin von dir sagte: „Weiß Du schon, dass es Sandra sehr schlecht geht und keiner genau weiß, wie diese Krankheit bei ihr ausgehen wird?“. Ich habe meine Mutter gefragt, was an der Sache dran ist, aber auch sie hatte nichts von Deinen Eltern gehört. Bei einem Abend in der Autovision habe ich deinen früheren Freund Christian gefragt, was mit Dir los ist. Er hat mir zwar gesagt was Du hast, konnte mir aber auch nicht weiter helfen. Ratlos, ich war ratlos und sprachlos und konnte nichts damit anfangen. Irgendwann habe ich Deine Schwester Nina getroffen und sie gefragt, wie ich Dich erreichen kann, wie es Dir geht und ob es dir Recht ist, wenn ich dir einfach per E-Mail schreibe. Ich, die in der Zwischenzeit schon geheiratet hatte und in Kevelaer wohnte, wollte Dich besuchen, denn Dortmund war nur eine Stunde entfernt. Es hat leider nicht alles so geklappt, wie wir uns es vorgestellt haben. ;o( Du bist wieder zu Deinen Eltern nach Wolfsburg zurückgezogen. Deine Mail, in der Du mir damals geschrieben hast, was Du hast, habe ich aufgehoben. Ich war geschockt und habe nur geheult. Warum Du und warum so eine Krankheit? Hey, das ist nicht fair. Sandra, die immer lacht und die jeder mag, soll so was haben – ALS. Wir haben so viel zusammen erlebt und ich habe eigentlich nur gute Erinnerungen an Dich. Natürlich warst Du auch mal zickig und wir hatten hin und wieder unsere Meinungsverschiedenheiten, aber das ist ja normal. ;o) Da saß ich nun und habe meinem damaligen Mann von Dir erzählt, aber ich konnte immer noch nicht begreifen was los ist. Ich kann es bis heute nicht!

Du hattest mir geschrieben, dass ich Dich nicht wieder erkennen werde, wenn wir uns wieder sehen. Also Frau Eitel, Du hast Dich nicht verändert. ;o) Das erste Mal, als ich dich nach langer Zeit sah, sahst Du immer noch so aus wie früher. Ja, eitel bist Du immer noch, alles muß sitzen! Wenn man in Deinen Schrank schaut merkt man, dass Du eine Frau bist: Tonnen von Schuhen und Klamotten! ;o) Dein Sommerfest, zu dem Du alle eingeladen hast die Dich mögen, war sehr schön. Wie in der Vergangenheit waren alle da, aber es hat sich vieles geändert. Nach dem Abend habe ich mich immer wieder gefragt, wie eine solche Krankheit so einen Menschen treffen kann. Alle kennen und reden über Krebs, aber niemand kann etwas Genaues über ALS sagen. Warum bekommen auch so viele Sportler diese Krankheit? Du siehst, dieses Thema beschäftigt mich noch immer. Ich bin bis heute schockiert und kann mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass Du von anderen Menschen abhängig bist. Das ist nicht die Sandra die ich kenne! ;o) Auch wenn es nicht immer leicht für Euch alle ist, freue ich mich, dass Du Eltern hast, die für Dich da sind. Immer wenn ich in Wolfsburg bin, versuche ich zu Dir zu kommen. Leider bin ich viel unterwegs und schaffe es nicht immer. ;o( Ich bin dann auch mit mir selbst unzufrieden, versuche es dennoch immer wieder und werde Dich nicht vergessen. Es reichen ja manchmal schon wenige Minuten, um „Hallo“ zu sagen und die Zeit hat man immer!

Sandra, 2003 haben wir zusammen Silvester gefeiert und ich wünsche mir, dass es noch viele Jahre mit Dir gibt. Ich will nicht, dass Dich diese Krankheit besiegt!

In Liebe Katja