Betroffene über sich

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Heidi Gasser

Mein Name ist Heidi Gasser. Als Schweizerin wohne ich mit meiner Familie im Kanton Thurgau am schönen Bodensee. Ich wurde am 01. Juli 2011 60 Jahre alt. Wir haben 2 Söhne (Zwillinge) und eine Tochter und 2 Enkelkinder. Meine Hobbys sind Guggenmusik, Tennis, Fitness und Basteln. Da ich über 24 Jahre die Buchhaltung, den restlichen „Bürokram“ und den Haushalt erledigte kam das Basteln zu kurz. Tennis spiele ich 1-2 Mal in der Woche. Ab Oktober beginnt dann wieder das Üben für die Guggenmusik.

Ende 2008 bemerkte ich, dass ich am Telefon das „s“ von Gasser komisch aussprach. Ich machte mir aber noch keine Gedanken, obwohl ich von der ALS-Erkrankung eines Bekannten im Dorf wusste. Im Herbst 2009 bei den Guggenproben merkte ich beim Posaune spielen, dass mir die Luft öfters durch die Nase wegging. Ich schob das aber auf das Übungsmanko während des Sommers. Im Januar 2010 meldete ich mich bei der Hausärztin an. Ich hatte bemerkt, dass ich zu später Stunde bzw. nach einem Glas Wein, sprach wie eine Betrunkene. So gingen die Untersuchungen los. Im Februar war ich beim Neurologen. Nach den Untersuchungen fragte ich ihn, ob er ALS ausschliessen könne. Er schaute mich verdutzt an und fragte wie ich darauf komme. Schliesslich sagte er ja. Im März musste ich wieder zu Kontrolle. Da die Medikamente nicht gewirkt hatten, musste er zugeben, dass er ALS nicht mehr ausschliessen könne und meldete mich im Muskelzentrum St. Gallen an. Ende Mai hat mir dann Herr Dr. Weber erklärt, nach den Symptomen sei es ALS.

Da lag ich dann 2 Wochen einfach flach und hatte überhaupt keine Kraft mehr. Zum Glück hatte ich schon vorher Autogenes Training bei einer Psychotherapeutin begonnen. Das half mir dann wieder auf die Beine zu kommen. In regelmässigen Abständen werde ich in St.Gallen untersucht und sehr gut betreut. Unsere Tochter konnte zum Glück ihre Arbeit reduzieren und meine Büroarbeit übernehmen. Da sind mein Mann und ich sehr froh. Ich kann jetzt das Leben einfach geniessen und habe wieder Zeit zum Basteln, Tennisspielen und in der Guggenmusik habe ich auf Cinellen gewechselt und nicht mehr alle Auftritte mitgemacht. Was nicht mehr geht, ist plaudern mit Freunden. Meine Sprache hat sich sehr verschlechtert und es ist auch anstrengend. Aber ich bin trotzdem mit ihnen zusammen. Alles andere funktioniert noch. Ich habe aber Ende Oktober 2010 bei Herr Mendel aus Oldenburg noch meine Stimme aufgenommen. Irgendwann werde ich dann mit Computer sprechen. Ich halte es wie Sandra, ALS einfach ignorieren und das Leben geniessen, nach einem Tief kommt immer wieder ein Hoch.

Sandra, ich möchte dir ganz herzlich danken für deine Homepage und dass wir Betroffenen uns auch zu Wort melden können. Ich hoffe, du kannst deinen Pflegedienst wieder vervollständigen. Bleib so „uufgstellt“ wie du bist.

Liebe Grüsse Heidi Gasser
Juli 2011