Betroffene über sich

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Uwe Gruner

Mein Name ist Uwe Gruner bin 47 Jahre alt und seit 25.8.2008 verwitwet. Ich habe eine Tochter (21) und beruflich befasse ich mich IT-Entwicklung und Projektmanagement. Ich wohne seit November 2008 in Willich in der Nähe von Krefeld, da ich nach dem Tod meiner Frau und dem Auszug meiner Tochter eine kleinere Wohnung beziehen musste.

Mein Leben vor meiner Erkrankung war geprägt durch meine Liebe zur Familie und dem Spaß an meinem Job, der mich ab 2003 oftmals beruflich nach Shanghai / China geführt hat. Wir lebten auf dem Lande, betrieben Turnier-Springreiten mit einem eigenen Pferd, hatten zwei Hunde und einen Kaminofen der regelmäßig mit Holz befeuert werden musste. Wir waren sehr aktiv und stark im Vereinsleben eingebunden. Im Dezember 2007 traten erste Symptome auf, die mich beim gehen behinderten, was ich mir aber über die sitzende Tätigkeit am Arbeitsplatz erklärte und mit mehr Bewegung auszugleichen versuchte. Im Mai 2008 flog ich zu einem weitern Projekt mit Kollegen nach Mobile / Alabama USA. Dort stellte ich fest, dass mit den Kollegen nicht mehr Schritt halten konnte und beschloss mich untersuchen zu lassen. Dieses verzögerte sich, da meine Frau im Juni schwer erkrankte und ich sie nicht alleine lassen wollte bzw. nicht riskieren wollte, wegen eigener möglichen Reha-Maßnahmen nicht bei ihr sein zu können. Sie starb im August 2008 an Krebs.

ALS wurde im September 2008 diagnostiziert. Für jeden kommt diese Diagnose gleich heftig und sich dagegen zu stemmen kostet eine Menge Kraft. Ich habe durch das Fortschreiten der Krankheit lernen müssen, dass man eben nicht mehr alles alleine machen kann und man zum Glück aber sehr viele hilfsbereite Menschen trifft. Wir haben das Pferd und das Equipment verkauft, die Hunde abgegeben, die Wohnung gewechselt und nichts ist mehr so, wie es die letzten Jahre war. Auf drängen meiner Familiemitglieder bin ich dann mit meinem Bruder und meiner Tochter zu ein „Abschiedsfahrt“ nach Shanghai zu Freunden geflogen. Dort hat meine chinesische Bekannte, in einem Artikel die Adresse des Beike Unternehmens herausgefunden, die eine Stammzellenbehandlung anbietet und wir haben das zugehörige Hospital in Qingdao kontaktiert. Zurück in Deutschland wurde ich von einer Kontaktperson von Beike unterstützt, die mir bis zur Aufnahme am 29.12.2008 im Hospital hilfreich zur Seite gestanden hat.

Ich konnte noch ohne Rollstuhl das Hospital aufsuchen, obwohl sich meine Muskelkraft in den Wochen vor der Behandlung deutlich verschlechtert hatte. Einfache Tätigkeiten gingen an meine Leistungsgrenze bzw. waren nicht mehr zu bewältigen. Ohne diese Behandlung säße ich jetzt wohl auch im Rollstuhl. Die Behandlung besteht darin, dem Betroffenen neue (frische Stammzellen) intravenös und per Rückkanalinjektion zuzuführen. Zusätzlich erfolgt eine intensive physiotherapeutische Behandlung, Akupunktur und Elektrowellentherapie. Meine Erfahrungen und Erlebnisse habe ich in einem Blog zusammengestellt:

http://stemcellschina.com/blog/gruner/category/global/

Nach 5 Injektionen (6 total) und den weiteren zusätzlichen Maßnahmen bin ich jetzt wieder in der Lage, Treppen zu steigen und mich sicherer zu bewegen. Die Muskelpower verstärkt sich und ich glaube, dass diese Art der Stammzellenbehandlung eine Möglichkeit ist den Zustand zu verbessern und somit Zeit zu gewinnen, da es eben auch mit Stammzellen (noch) keine Heilung gibt. Auch werden die neu gebildeten Nervenzellen durch ALS wieder zerstört, was eine spätere Weiterbehandlung notwendig machen kann. Ich kann noch nicht sagen, ob es wirklich funktioniert, da es normalerweise ca. 6 – 12 Wochen braucht bis die Zellen sich entsprechend ausgebildet haben. Ich möchte keine zu großen Erwartungen schüren und ich versuche meine Erfolge realistisch nach gerade mal 20 Tage hier einzuschätzen. Aber Hoffnung ist nun mal das, was uns zum Weitermachen bewegt und ich möchte meine Erfahrungen gerne weiteren Betroffenen zu Verfügung stellen.

Hier gibt es einen Doktor der gut Deutsch spricht und in der Administration eine junge Dame aus Deutschland die hier chinesisch studiert. Das macht es hier für deutsche Patienten einfach, wobei englisch als Grundsprache hier dann doch weiterhilft. Man muss fairer Weise sagen, das die Aufnahme hier an den Gesundheitszustand des Patienten (Krankheitsfortschritt) gebunden ist, d.h. je früher und je mobiler man selber noch ist, desto größer sind die Chancen eine Verbesserung zu erreichen.