Betroffene über sich

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Stefan Pöhl (†)

Mein Name ist Stefan Pöhl und ich komme aus Braunschweig. Ich bin 43 Jahre alt und seit April 2008 verheiratet. Ich bin gelernter Koch und Diätkoch und arbeite als Küchenleiter in einem Alten- und Pflegeheim.

Begonnen hat alles im Februar 2008, als ich plötzlich Probleme beim Tragen bekam. Ich habe mir aber weiter nichts dabei gedacht. Nachts hatte ich regelmäßig Muskelkrämpfe in den Waden und Füßen; meine Frau meinte ich sollte mehr Magnesium nehmen. Was ich auch tat. Wenig später begannen die Muskeln in meinen Oberarmen unablässig zu zucken; Tag und Nacht. Gleichzeitig bemerkte ich Veränderungen an meinen Händen, die auch mit Krämpfen einhergingen. Und eines Tages war plötzlich der kleine Handmuskel zwischen Daumen und Zeigefinger an der linken Hand verschwunden. Komisch. Mittlerweile hatte sich das Muskelzucken auf den ganzen Körper ausgedehnt, ich merkte, wie mir immer mehr die Kräfte versagten und ging zu meinem Hausarzt, der mich auch gleich weiter zu einem Neurologen schickte.

Er untersuchte mich und steckte mir ein paar Nadeln in die Arme und Hände. Danach sagte mir der Neurologe, ich müsste ins Krankenhaus für weitere Untersuchungen. Zuhause begann ich im Internet zu suchen was das Muskelzucken für Ursachen haben könnte, und wie durch Zufall kam ich auf eine Seite, wo auch über ALS berichtet wurde. Und ich musste erkennen, dass viele meiner Symptome gut zu ALS passen. Da wurde mir das erste Mal richtig schlecht und ich bekam Angst. Und wie es der Teufel so will war dann auch die Diagnose der Ärzte im Krankenhaus ALS!!! Und nicht zu vergessen die schönen Untersuchungen mit Nadeln und Strom. Ich dachte mir zieht jemand den Boden unter den Füssen weg.

Die folgenden Wochen waren die bis dahin schlimmsten in meinem Leben; ich konnte es einfach nicht glauben; warum ich? Sollte mein Leben schon vorbei sein? Ich habe dann viel im Internet recherchiert, damit ich mehr über die Krankheit in Erfahrung bringen konnte. Leider muss ich sagen, dass die Ärzte in Braunschweig die völligen „Loser“ waren und mir nicht ein Stück dabei geholfen haben, mich über ALS zu informieren. Danke dafür!! Um mir eine zweite Meinung einzuholen, begab ich mich im November 2008 in die MH nach Hannover, wo mir noch ein Stück Muskel aus dem Arm entnommen wurde (danke für die schöne Narbe). Dort wurde auch die gleiche Diagnose gestellt. Aber dort bekam ich wichtige Informationen und mir wurde erstklassig geholfen! Dafür möchte ich mich auch noch sehr bedanken!! Ich gehe jetzt regelmäßig alle 3 Monate zur ALS-Sprechstunde nach Hannover und werde dort durchgecheckt. Ab April 2009 werde ich dann auch an einer Forschungsreihe teilnehmen.

Mittlerweile läuft mein Leben wieder in normalen Bahnen; wenn man das so nennen kann. Viele Tätigkeiten, wie zum Beispiel das simple Öffnen von Flaschen oder das Schließen der Druckknöpfe an meiner Kochjacke, über die ich mir früher nie Gedanken gemacht habe, bereiten mir jetzt große Mühe und morgens brauche ich eine Stunde bevor ich so richtig in Trab komme. Ich arbeite immer noch als Küchenleiter und bin froh darüber, wie sehr mein Arbeitgeber hinter mir steht!! Auch vielen Dank dafür. So einen Chef wie meinen wünsche ich jedem!! Im März 2009 ziehe ich mit meiner Frau und meinem Schrumpflöwen in eine neue Wohnung, die barrierefrei ist. Dort habe ich mehr Möglichkeiten, auch für die Zukunft gesehen. Wer weiß schon, was noch alles kommt!! Ich wünsche meiner Frau und mir für alle Dinge und Probleme, die auf uns zukommen immer genug Kraft und Mut, und dass wir nie aufgeben!

„Yes we can“

Wer mir schreiben möchte, hier meine Mailadresse:  StefanPoehl@web.de