Betroffene über sich

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Georg Wunderlich

Zunächst einen immer währenden Gruß und ein Dankeschön an unsere Angehörigen, die uns Mut, Geborgenheit und nicht zuletzt eine aufopfernde Pflege zu kommen lassen. Habe sehr lange überlegt, ob ich mich hier und überhaupt darstellen soll, denke aber schon der erste Satz ist es wert. Es ist mir jetzt auch wichtig mit meiner Präsents auf dieser Homepage ein Stück zur Öffentlichkeitsarbeit beizutragen.

Mein Name ist Georg, bin jetzt 59 Jahre jung. Habe es mit meiner Frau in 35 Ehejahren zu 2 tollen Söhnen und einem Haus im Münsterland gebracht. Ab dem Jahr 2008 hatten wir eigentlich einen schönen Lebensabschnitt, mit genießen von Haus und Garten, geplant und erwartet. Leider kam alles anderes und es begann und beginnt jetzt täglich der „Kampf“ mit und gegen das Schicksal.

Habe wohl bei jeder Krankheit zu laut „HIER“ gerufen, denn mit 8 Monaten erkrankte ich an Polio. Da ich nichts anderes kannte als mit der Einschränkung des linken Beines zu leben, berührte mich dieser Zustand sehr selten. Behauptet von mir eine Kämpfernatur zu sein. Kein Baum war zu hoch, kein Graben zu bereit. War über Handball, Fußball bis zuletzt beim Behindertensport aktiv tätig. Beruflich musste ich mich ab ca. 1991 bis zur Frührente 2004, mit einer mich psychisch sehr stark belastenden Situation (Mobbing) auseinander setzen. (Ein Kapitel für sich) Ab dem Jahr 1993 begannen sporadisch Symptome wie Unlust meinem Beruf (gleichzeitig Hobby) nachzugehen, gepaart mit dann täglichen Bauchschmerzen und Faszikulationen in den Oberarmen und der Brustmuskulatur. 1999, die genannten Beschwerden waren mittlerweile Bestandteil meines Lebens. Hinzu kamen Unlust im privaten Bereich, Stolpern über einen Strohhalm und Koordinations-Probleme der rechten Hand beim Umgang mit Werkzeug.

Es wurde nun Zeit nach der Ursache der Problematik zu suchen. Die Symptome und die Vorerkrankung deuteten auf das Post-Polio-Syndrom hin. (Spätfolgen der Kinderlähmung) Februar 2003 dann eine, die Diagnose. War wohl nix mit der „Lappalie“ Post-Polio-Syndrom, nein, es musste ja was Besonders sein. Neubeginn eins Lebens unter sehr negativen Umständen. Die Planung ist nur noch kurzfristig. Es geistern Bilder wie „Gefangen im eigenen Körper“ oder „Das Schicksal stiehlt mir meine Zeit“ durch den Kopf. Nach rund einem Jahr nahm ich dann meinen Tagesablauf wieder in die eigenen Hände, weg vom Fernseher, hin zu einer kreativen Beschäftigung. Es kam mir zu Gute, dass ich mich schon über Jahre mit dem PC auseinander gesetzt hatte. Schärfe nun meinen Verstand in dem ich selber programmiere, Programme die die Welt nicht unbedingt braucht, aber es ist für mich wie Eisenbahn spielen. Genau so wie ich die Weichen stelle, so soll das ganze inklusive Signalen laufen. Zu meinen weiteren Aktivitäten am PC gehört das Testen von kommerziellen Programmen und die möglichst rege Teilnahme im ALS-Chat.

ALS ist für mich zu einem Ringkampf mit einem übermächtigem Gegner geworden und in jeder Runde werde ich erneut angezählt. Aufgeben!? NEIN!

Ich bin stolz auf mich,...weil ich jeden Tag aufstehe, mich mit den alltäglichen Problemen auseinandersetze und es freut mich, wenn mir eine körperliche Anstrengung gelungen ist. Diesen Beitrag schreibe ich, je nach Tagesform, mit einem Finger, der Bildschirmtastatur oder einem Spracherkennungsprogramm und bin bei jedem Abschnitt richtig stolz auf mich und meine körperliche Leistung. Was mir mein „Gegner“ nicht nehmen kann, ist die geistige Fähigkeit, ihm immer ein Schnippchen zu schlagen. Es gilt immer wieder die Aufgaben neu zu meistern. Wie komme ich von A nach B oder wie stelle ich mein Getränk auf den Tisch, so dass es nicht bei der Arbeit stört, es aber jeder Zeit erreichbar ist. Habe es heute wieder geschafft. „Ich bin stolz auf mich“ und weil ich das Glas anheben musste „Ich bin stark“ mag den heutigen Tag „Ich mag mich“! Morgen stellen sich die Aufgaben anders. Ich liebe die Herausforderung, also schauen wir mal. Dann ist da noch der Kampf mit der Bürokratie um jedes Stückchen Lebensqualität. Hoffe dabei für andere Erkrankte den Weg zu ebenen und die immer wiederkehrenden Stolpersteine zu beseitigen.

Nachtrag:
Mittlerweile benötigte ich eine Kommunikationshilfe mit Kopfmaus und Sprachausgabe.
Man sollte nie etwas aufschieben!

Mit einem lieben Gruß
Georg