Betroffene über sich

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Jörg Dahlke († 2009)

Es begann am 05. Mai im Jahre 1973, als ich als kleiner Frechdachs das Licht der Welt erblickte. In diesem Jahr wurde ich von meinen jetzigen Eltern Sabine und Siegfried Dahlke adoptiert. Als erstes mussten sie erfahren, dass der kleine Frechdachs es ganz schön hinter den Ohren hatte, indem ich Ihnen – an dem Tag wo der Anruf vom Jugendamt kam – den geplanten Schwedenurlaub verpatzte. Aber trotz alledem begann ab diesem Moment die schönste Zeit meines Lebens. Ich begann ein Leben kennenzulernen was ich bis heute niemals bereuen würde. Hiermit möchte ich auch gleichzeitig meinen Eltern danken für alles, was sie bis heute für mich getan haben. Ohne sie wäre ich nicht das, was ich jetzt bin. Ein Mann, der bei seiner zweiten Hochzeit die Frau seines Lebens gefunden hat, der weiß, was das wahre Leben ist und wie man es meistert.

Ich besuchte die Grundschule in Kamen und ging über zur Gesamtschule, wo ich meinen Hauptschulabschluss machte. Dann begann der Ernst des Lebens und ich fing eine Ausbildung im Betrieb meines Vaters an. Diese beendete ich mit meinem Gesellenbrief im Dachdeckerhandwerk. Aus Gesundheitlichen Gründen musste ich den Beruf aufgeben und begann eine Umschulung zum Webdesigner im Jahre 2002. Als ich meine jetzige Frau kennenlernte, machten wir uns beide als Webdesigner selbständig. Wir gründeten die Internet Full Service Agentur "Web-Pro-Design GbR". Bis zum jetzigen Zeitpunkt kann ich meinen neu erlernten Beruf ausüben. Aufgrund meiner Krankheit wird dies aber leider nicht mehr sehr lange möglich sein. Dennoch wird meine Liebe Frau Birgitt das Unternehmen weiterführen.

Mein Krankheitsbeginn:

Angefangen hat es am 12.08.2005 auf unserer Hochzeit, wo wir bemerkten, dass ich über jede kleine Kante stolperte. Wir dachten uns erstmal nichts dabei, weil meine Hochzeitsschuhe etwas größer ausfielen. Als wir im Oktober feststellten, dass mein rechter Großer Zeh sich nicht mehr so bewegen ließ, wie ich es gerne hätte, und sich auch mein Gangbild wesentlich verändert hatte, so als hätte ich zu tief ins Glas geschaut, dachten wir uns eigentlich auch noch nicht viel dabei, weil ich ein paar Tage vorher gestolpert war und mir den Zeh gestoßen hatte. Im Laufe der Zeit kamen Muskelzuckungen in den Oberschenkel hinzu. Naja, ich dachte mir, dass kann’s nicht sein. Schließlich beschlossen wir zu meinem Hausarzt zu fahren und der schickte mich umgehend zu einem Neurologen nach Bremen. Der stellte lediglich fest, dass das von meiner Bandscheibe käme und ich eine Fußheberschwäche hätte. Er schlug mir Krankengymnastik vor, die ich auch machte, aber weil es nicht viel brachte brach ich sie ab. Im Januar 2006 bemerkten wir, dass sich mein gesamtes Gangbild stark verschlechtert hatte, so dass Türrahmen und Wände sich als meine "Freunde" bezeichnen konnten. Unser Lieber Freund und Nachbar Udo nannte den Gang auch " Eckes Kirschgang". Soviel zum Thema "zu Tief ins Glas schauen".

Wir begannen weitere Ärzte und Neurologen aufzusuchen. Schließlich machten die Ärzte an mir weitere Tests was die Muskeln anging. Sie kamen zu dem Entschluss mich in das Evangelische Krankenhaus in Oldenburg einzuweisen. Dort begannen sämtliche Untersuchungen, wie z.B. EEG (Messung der Muskelstärke) oder die Lumbalpunktion (Entnahme von Nervenwasser aus der Wirbelsäule). Das Ergebnis teilten uns die Ärzte (in nicht sehr schonender Weise) schon nach einer Woche mit. Der besagte Arzt kam in mein Zimmer und das ganze hat ungelogen 5 Minuten gedauert. Zitat:

"Herr Dahlke, leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Sie eine schwerwiegende Krankheit haben, die unheilbar ist. Ihre Lebenserwartung liegt zwischen 1-3 Jahren. Die Muskeln werden steif und Spastiken in den Extremitäten werden nach und nach entstehen. Wir möchten Sie noch eine Woche hierbehalten, um Sie und Ihre Angehörigen mit der neuen Situation vertraut zu machen, zwecks eines Termins bei unserer Hausinternen Sozialberaterin. Zur Behandlung ihrer Krankheit gibt es ein Medikament, welches Sie 2-mal am Tag einnehmen. Leider können wir nichts für Sie tun. Viel Glück und auf Wiedersehen."

Soviel zu der Neurologie (:-) man ist ja so und so nicht ganz fit) im Krankenhaus. Man könnte diesen Tag auch als den "Arschkartentag" bezeichnen.