Betroffene über sich

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Marco Nottrodt

Wer ich bin!

Ich heiße Marco Nottrodt, bin 31 Jahre jung und wohne in der Landeshauptstadt von Thüringen, in Erfurt. Vor der ALS war ich seit der Ausbildung als Elektriker tätig und arbeitete zuletzt als Maschinenführer in einer Buchbinderei. Ich gehe gern zu Eishockeyspielen der „Black Dragons“ und stehe auf die Musik von Xavier Naidoo und den Söhnen Mannheims. Ich war immer ein sehr aktiver und fröhlicher Mensch, ständig unterwegs (allein schon durch die jobbedingte Montage bin ich ganz gut rumgekommen) und habe mir selten Ruhe gegönnt.

Die ALS und ich!

Von ALS hatte ich noch nie was gehört – bis zum März 2006, als ich nach mehrmonatiger Odyssee durch Arztpraxen und einigen Krankenhausaufenthalten die Diagnose bekam. Durch den bei mir sehr rasch voranschreitenden Verlauf der Krankheit war ich recht schnell gezwungen meinen Job an den Nagel zu hängen. Seit Juli sitze ich im Rollstuhl und musste daher in eine halbwegs behindertengerechte Wohnung umziehen. Mittlerweile habe ich ein recht ansehnliches Arsenal an Hilfsmitteln angehäuft, seit Mitte August zählt auch ein Heimbeatmungsgerät dazu. Essen und schlucken funktionieren zum Glück noch ohne Probleme, nur das sprechen fällt nach anstrengenden Tagen abends manchmal ganz schön schwer.

Wer mir hilft!

Trotz der vielen negativen Begleiterscheinungen versuche ich möglichst gut mit der ALS zu leben und mich nicht unterkriegen zu lassen. Dabei helfen mir natürlich auch meine Familie und meine Freundin Sarina, meine Freunde und die Therapeuten und Pflegekräfte, die sich rund um die Uhr um mich kümmern. An manchen Tagen geht es in meiner Wohnung zu wie im Taubenschlag und ich bin mit den vielen Terminen mächtig ausgelastet. Aber so kommt zumindest keine Langeweile auf.

Was mich nervt!

Am meisten nervt mich der Verlust meiner Selbständigkeit und dass ich bei jedem Handgriff auf die Hilfe anderer angewiesen bin. Und das ich selbst nicht mehr Autofahren kann, das fehlt mir unwahrscheinlich. Zum Glück gibt es genügend gute Seelen, die mich geduldig in meinem Auto durch die Gegend fahren, wenn mir danach ist. :o) Mächtig Bammel habe ich vor der bevorstehenden kalten Jahreszeit mit dicken Klamotten, drohenden Erkältungen und schlechtem Wetter, bei dem ich nicht raus kann.

Wovon ich träume!

Träumen kann ich noch ganz gut (zum Glück braucht man dazu keine Muskeln) und Wünsche habe ich jede Menge. Einen Teil davon konnte ich mir dank einiger guter Freunde schon erfüllen: einen Drachenflug, ein paar Runden in der „Grünen Hölle“ auf dem Nürburgring, rasante Fahrten in schnellen Autos... Geplant habe ich noch viel mehr: ich möchte unbedingt auf den Berliner Fernsehturm, Fallschirmspringen, Hubschrauber und Segelflugzeug fliegen und eine Kreuzfahrt machen – das sind die Ziele, die ich mir gesetzt habe. Ach ja und was ich unbedingt mal erleben möchte: das Gefühl eine dicke fette Sahnetorte mitten ins Gesicht zu kriegen – möglichst ohne Vorwarnung! :o)

Liebe Grüße
Marco im Oktober 2006

PS: Bei dir lieber Sandra möchte ich mich bedanken, dass du Betroffenen wie mir die Möglichkeit gibst, sich vorzustellen. Ich wünsche mir, dass die Krankheit dadurch mehr in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerät.