Betroffene über sich

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Katharina Kebsch

Ich heiße Katharina. Meine Diagnose ALS bekam ich mit 25 Jahren. Angefangen hat es mit unbedeutenden Dingen wie Muskelzucken, Abgeschlagenheit, Schwäche in Beinen und Händen...aber wer vermutet dahinter denn so was?! Ich war “früher“ fit wie ein Turnschuh, habe den Sport geliebt. Heute liebe ich den Sport auch noch, nur ich betreibe ihn nicht mehr, weil der Körper nicht mehr will. Aber was soll es, schaue ich ihn halt im Fernsehen an. Das ist ein annehmbarer Ersatz. Meine Hobbies haben sich auch nicht halten können (z.B. Gotcha). Das frustet schon ein wenig, aber es gibt auch andere tolle Hobbies, die ich für mich entdeckt habe wie z.B. puzzeln, fotografieren, Sudoku. Das ist schon anstrengend, aber noch geht es und für später findet sich auch bestimmt wieder was anderes. Ansonsten bin ich bei meiner Familie in guten Händen. Ich wohne bei meinem Vater, wir haben schon kräftig umgebaut, denn ich hab’s nicht so mit Schwellen und Treppen. Mit Mutti geht’s so oft wie nur möglich ab in den Urlaub, etwas sehen und erleben. Das ist mir wichtig, denn die Zeiten werden nicht besser und noch geht es mit der Fortbewegung einigermaßen. Und wenn meine Schwester mal in der Heimat ist, bin ich auch da und dann reden wir oder fahren Geld ausgeben. :o)

Ich weiss, meine Familie hat sich alles auch anders vorgestellt und ich glaube, diese Diagnose hat sie mehr geschockt als mich, aber wir alle leben mit diesen 3 Buchstaben und lassen uns nicht unterkriegen. Natürlich nervt es mich, dass ich die natürlichsten Sachen der Welt nicht mehr allein hinbekomme wie z.B. einen Knopf zu schließen, ein Ei zu schälen...aber man lernt Hilfe zu akzeptieren und peinlich ist mir das alles auch nicht mehr. Es ist halt so – Fakt! Die Umwelt reagiert auf mich natürlich sehr unterschiedlich. Das ist ja klar. Ich wohne auf dem Dorf und die nächste Stadt ist eher eine Kleinstadt. So schauen die Leute immer, als wäre ich ein Außerirdischer. Daran hab ich mich schnell gewöhnt. Aber die, die mich kennen und wenn es nur vom Sehen ist, sind freundlich und hilfsbereit. Natürlich gibt es auch die berühmten Ausnahmefälle, aber die sind eher selten. Da steh ich drüber, obwohl es mich manchmal traurig macht, wenn man behandelt wird, als hätte man seinen Verstand an der Kasse abgegeben. Es gibt halt solche und solche. :o) Und so meistere ich jeden Tag meine Anwendungen, Woche für Woche, Monat für Monat. Ich gebe zu, manchmal hab ich keine Lust, aber ohne Logopädie, Ergotherapie, Krankengymnastik, Bewegungsbad, Fango und Massage wären meine Tage nur halb so erfüllt.

Ich danke dir liebe Sandra, dass ich diese Gedanken zu Papier bringen konnte!
LG Kat (27)