Betroffene über sich

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Ulrike Westphal († 20014)

Ich heiße Ulrike Westphal und bin im Mai 50 Jahre alt geworden. Seit 1980 bin ich verheiratet und wir haben zwei erwachsene Söhne. Mit meiner Familie lebe ich in Ilsede, das liegt zwischen Braunschweig und Hannover. Von Beruf bin ich Zytologie Assistentin. Nach meinem Realschulabschluss lernte ich zunächst Arzthelferin bei einem Gynäkologen um die Zeit bis zu meinem 18. Lebensjahr zu überbrücken, denn erst dann konnte ich die Ausbildung zur Zytologie Assistentin in der Medizinischen Hochschule in Hannover beginnen. Nach meinem erfolgreichen Abschluss arbeitete ich einige Jahre in einem großen Einsendelabor in Salzgitter Bad. Nach der Geburt unseres ersten Sohnes wollte ich gern weiter in meinem Beruf bleiben und trotzdem für mein Kind sorgen. Also suchte ich mir einen Arbeitgeber, der mir die Möglichkeit gab, zu Hause zu arbeiten. Ich untersuchte mikroskopisch Abstriche, die im Rahmen der gynäkologischen Krebsvorsorge entnommen wurden, auf Zellveränderungen. Die vorbereiteten Abstriche wurden mir nach Hause geschickt, ich befundete diese und sandte sie wieder zurück. Das war für mich eine optimale Lösung Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. 15 Jahre habe ich meinen Beruf zu Hause ausgeübt. Ich war sehr froh, dass mir diese Möglichkeit gegeben wurde. In meiner Freizeit traf ich mich einmal pro Woche zur Gymnastik in unserem Sportverein mit anderen Frauen aus unserem Ort. Nach der Übungsstunde gingen wir meistens noch „auf ein Bier“ zum gemütlichen Plausch in ein Lokal. Wir haben über Gott und die Welt geredet und viel gelacht. Unsere Kirchengemeinde hat mich auch sehr interessiert. Ich habe gern an Gruppengesprächen teilgenommen. Einmal in der Woche trafen wir uns im Gemeindehaus und lasen in der Bibel um anschließend gemeinsam zu diskutieren. Zum Abschluss sangen wir unsere Lieblingslieder. Aus diesen Abenden nahm jeder von uns etwas mit in seinen Alltag. 6 Jahre lang gehörte ich dem Kirchenvorstand an.

Wenn ich mich selbst beschreiben sollte, dann würde ich sagen, ich bin ein lebenslustiger und fröhlicher Mensch. Auf jeden Fall kann ich von mir sagen, dass ich ein großes Interesse an allem habe, was mit der Natur und den Menschen zu tun hat. Ich versuche immer das Beste aus einer Situation zu machen. Mein Glaube spielt für mich eine grundlegende Rolle und hilft mir dabei. Seit gut 10 Jahren weiß ich, dass ich an ALS erkrankt bin. Die Diagnose bekam ich in der Medizinischen Hochschule in Hannover. Als ich dort meinen Beruf erlernt habe, hätte ich nie gedacht, dass ich mich dort auch einmal als Patientin aufhalten würde. Plötzlich steht man auf der anderen Seite des Ufers. Natürlich war das für mich und meine Familie ein gewaltiger Schock. Zuerst bezweifelt man die Diagnose. Die Ärzte mussten sich einfach geirrt haben! Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Aber danach geht es eben nicht. Es hat lange gedauert bis ich meine ALS akzeptiert habe. Irgendwann kam ich zu einem Punkt, wo ich mir gesagt habe, entweder gibst du auf, oder du nimmst die neue Herausforderung an. Ich habe mich für die zweite Möglichkeit entschieden. Seitdem konzentriere ich mich auf die Dinge, die ich kann und nicht auf das, was ich nicht kann. Seit einigen Jahren habe ich ein Theater Abo. Eine gute Bekannte, die Theater so liebt wie ich, begleitet mich. Mein Mann und ich fahren gern in den Urlaub. Meistens verreisen wir einmal im Frühsommer und einmal im Herbst. Alltägliches, was mir so im Umgang mit Menschen passiert, schreibe ich gern als humorvolle Kurzgeschichten auf. So verbringe ich jetzt meine Freizeit. Abgesehen davon organisiere ich von meinem Schreibtisch aus unseren Haushalt, soweit es im Rahmen meiner Möglichkeiten liegt.

Vielen Dank Sandra, dass du auch anderen Betroffenen die Möglichkeit gibst, sich auf deiner Homepage vorzustellen.